Montag, 22. August 2016

Multikulti - ein gefährliches Ideal. Wie die Wohlmeinenden den Staat ruinieren.

Eine Wiener Philosophin hat kürzlich im österreichischen Rundfunk mit einem Text von großer sprachlicher Eindringlichkeit für die pluralistische Gesellschaft geworben. Nicht im Kampf der Kulturen, wie Huntington ihn beschwor, liege die eigentliche Bedrohung, sondern im Kampf aller Fundamentalisten gleich welcher Religion und Ideologie gegen die multikulturelle Gesellschaft. Deren Vielfalt sei das einzig positive Ideal unserer Zeit, nicht Homogeneität wie von den Fundamentalisten erstrebt.
Auf den ersten Blick scheint die Wiener Philosophin sich damit in eine ehrwürdige Tradition einzureihen, die gerade im deutschsprachigen Raum hervorragende Beispiele zählt, angefangen von Lessings „Nathan der Weise“ über den liberalen Kosmopolitismus von Immanuel Kant bis hin zu Poppers „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“. Allerdings trifft dieser Eindruck nur auf den ersten Blick zu, meine Opposition gegen den Text geht ja schon aus dem von mir gewählten Titel hervor. Da ist etwas heillos schief mit diesem Plädoyer aus dem philosophischen Elfenbeinturm. Der Text ist ein faszinierender Sirenengesang aus Wahr und Falsch, mit anderen Worten ein berauschender Cocktail aus Halbwahrheiten.

Freitag, 12. August 2016

Deutschland 2030 – vier Wege in die Zukunft

Zukunftsprognosen pflegen sich notorisch als trügerisch zu erweisen. Es wäre ein Fall von belächelnswerter Hellseherei, wenn sich jemand anmaßen wollte, die Situation Deutschlands nach einem Jahrzehnt, sagen wir im Jahr 2030, vorherzusagen. Möglich ist aber, Entwicklungsalternativen aufzuzeigen, die sich logisch ausschließen und daher nicht gleichzeitig auftreten können. Dann ergibt sich folgendes Spektrum, wobei ich das meiner Ansicht nach wahrscheinlichste Verhältnis Deutschlands zur Europäischen Union an die erste, das unwahrscheinlichste an die letzte Stelle rücke. Mit Ausnahme einer einzigen, deren Verwirklichung wenig wahrscheinlich ist, sind leider alle anderen verstörend.

Erstens - Zerfall:
Wie die übrigen Staaten Europas ist Deutschland im Jahr 2030 zu einer eigenen Währung zurückgekehrt. Die Eurozone ebenso wie die Europäische Union sind de facto abgeschafft.
Zweitens - Transfergemeinschaft:
Europa ist nicht zerfallen, sondern hat sich zu einer Transferunion entwickelt.
Drittens - Geschlossene Handelsunion:
Die Bundesstaaten verzichten auf Souveränität ausschließlich im Verhältnis zum außereuropäischen Ausland. Die politische Union verlangt keine Souveränitätsverzichte nach innen.
Viertens - Vertragskonforme Entwicklung:
Der Kommission ist es mit hartem Durchgriff gelungen, dem vielfach ausgehöhlten Vertragswerk von Maastricht, Lissabon und dem begleitenden Stabilitätspakt doch noch Anerkennung und schließlich sogar strikte Befolgung zu sichern.

Montag, 1. August 2016

Österreich – die Insel der Unseligen

Wer die Alpenrepublik besucht, lernt nicht nur ein Land von großer Schönheit kennen, sondern noch dazu eines von beeindruckendem Wohlstand. Nicht dass es nicht viele Kennziffern gäbe, die seiner jetzigen und jeder anderen Regierung Kopfschmerzen verursachen müssen, aber im Vergleich zu den meisten Staaten, die jenseits seiner südlichen und östlichen Grenze liegen, darf dieses Land sich wohlhabend nennen; im Vergleich zu den Staaten Afrikas und des Nahen Ostens sogar überaus reich – und zu all dem ist es wie gegenwärtig noch ganz Europa ein Refugium sowohl des äußeren wie des inneren Friedens.

Freitag, 29. Juli 2016

Audiatur et altera pars!

Wer sich um Europa bemüht - trotz allen Propagandagetöses das größte Friedens- und Versöhnungsprojekt der neueren Geschichte -, der wird sich nicht an den Giftmischern von AfD, FPÖ, Lega Nord, Front National etc. orientieren, aber er wird sie besonders genau studieren, weil gerade sie, und zwar als Sprachrohr großer Bevölkerungskreise, die Fehler und Irrwege sichtbar machen, die den Erfolg dieses Projektes bedrohen.

Mittwoch, 27. Juli 2016

Zeit der Gesinnungsschnüffler

Es gibt verschiedene Arten einander zu grüßen: Man kann beim Kopf beginnen und mit Argumenten oder sich gegenseitig beschnüffeln, wie es unter unseren vierbeinigen Freunde die Regel ist, nämlich vom Schwanze her. Dann stellt man, noch bevor man überhaupt wissen will, was der andere zu sagen hat, erst einmal fest, ob er links sei oder rechts, ob religiös oder ungläubig, ob hetero oder homo, ob liberal oder autoritär. Hat man die Witterung aufgenommen, steht das Urteil schon fest. Man drückt seinen Beifall durch freudiges Wedeln aus oder lässt dem Beißreflex seinen Lauf,

Mittwoch, 1. Juni 2016

Ante Portas: Radikale und Radikalismus


Überall in Europa vom Süden bis in den hohen Norden stehen sie in den Startlöchern, bereit für den politischen Umbruch: Fremdenhasser, Europafeinde. In Österreich gelang es bei der jüngsten Bundespräsidentenwahl nur äußerst knapp – mit einem Stimmenvorsprung von weniger als einem Prozent – die extreme Rechte gerade noch abzuschmettern. Europaweit war Erleichterung, ein Aufatmen wahrzunehmen, aber ist damit auch nur eines der Probleme gelöst, welche die rechtsextreme Opposition überall im alten Kontinent so stark werden ließ? Natürlich nicht – und deswegen ist dieser Wahlgang ein unheimliches Menetekel: Sie werden beim nächsten Mal mit Sicherheit an die Macht gelangen, nicht weil es ihnen gelingen würde, irgendeines der anstehenden Probleme zu lösen, sondern weil diese mit den bisherigen Mitteln der Politik nicht länger zu lösen sind.

Montag, 2. Mai 2016

Die gespaltene Nation – wie gute Menschen zu Gutmenschen werden

Seit Beginn der Flüchtlingskrise befindet sich Mitteleuropa in ideologisch aufgeheizter Verfassung; längst totgesagte Gespenster sind neuerlich unter uns. Freundschaften zerbrechen an einer einzigen Frage: Wie hältst du es mit den  Migranten? Das hat auch mich getroffen, und auf eine Art, die vielleicht paradigmatisch ist und aus diesem Grund von Interesse. Mein Freund, weit gereist in vielen Ländern, hat aus diesen Erfahrungen den selbstverständlichen Schluss gezogen, dass die Menschen dort draußen nicht weniger Achtung verdienen als seine Landsleute daheim. Für ihn war es selbstverständlich, einen Gutteil der eigenen Zeit den eintreffenden Flüchtlingen zu widmen.